In der Nacht zum Dienstag letzte Woche erlebten Himmelsfreunde und Nachtschwärmer in ganz Deutschland ein seltenes Phänomen: Über weiten Teilen des Landes von der Küste bis zu die Alpen tanzten die Polarlichter, die berühmten Aurora Borealis, am Nachthimmel. Von Nord bis Süd berichteten Menschen, dass sie die schimmernden grünen und manchmal rötlichen Schleier beobachten konnten.
Dass die Polarlichter so weit südlich sichtbar waren, ist außergewöhnlich. Normalerweise treten sie nur in den Polarregionen auf, etwa in Skandinavien, Kanada oder Alaska. Die Ursache für dieses Spektakel liegt in einer besonders starken geomagnetischen Aktivität, ausgelöst durch einen Sonnensturm: Geladene Teilchen des Sonnenwinds trafen auf das Magnetfeld der Erde und regten die Moleküle in der oberen Atmosphäre zum Leuchten an.
Meteorologen erklären, dass die Sichtbarkeit in Deutschland in dieser Nacht außergewöhnlich war. Klarer Himmel, geringe Lichtverschmutzung und das Timing der Sonneneruption machten es möglich, dass die Aurora in fast allen Teilen des Landes sichtbar wurde – ein seltenes Glück für Himmelsbeobachter.
Für alle, die dieses Naturschauspiel verpasst haben: Experten prognostizieren, dass solche starken geomagnetischen Ereignisse in den kommenden Jahren wieder auftreten können. Wer die Polarlichter erleben möchte, sollte klare Nächte nutzen, sich von städtischem Licht fernhalten und den Blick gen Norden richten.
Ein unvergessliches Erlebnis für Groß und Klein – und ein Beweis dafür, dass selbst in Deutschland die Magie des Nordens manchmal bis zu uns reicht.
Was sind Polarlichter – Magie am Himmel
Polarlichter, auch als Aurora Borealis auf der Nordhalbkugel bekannt, gehören zu den beeindruckendsten Naturschauspielen unserer Erde. Seit Jahrhunderten faszinieren sie Menschen und wurden früher oft als mystische Zeichen oder Botschaften der Götter gedeutet. Heute wissen wir, dass hinter dem scheinbar magischen Leuchten ein hochkomplexes Zusammenspiel zwischen Sonne und Erde steckt.
Alles beginnt auf der Sonne: Bei sogenannten Sonneneruptionen werden riesige Mengen geladener Teilchen ins All geschleudert. Diese Teilchen rasen mit hoher Geschwindigkeit durch den Weltraum und treffen nach einigen Tagen auf das Magnetfeld der Erde. Dieses wirkt wie ein unsichtbarer Schutzschild und lenkt die Teilchen in Richtung der Pole. Dort dringen sie in die oberen Schichten der Atmosphäre ein und kollidieren mit Sauerstoff- und Stickstoffmolekülen.
Durch diese Zusammenstöße entsteht Licht. Sauerstoff sorgt meist für das charakteristische grüne oder rote Leuchten, während Stickstoff violette und blaue Farbtöne erzeugt. Je nach Höhe, Intensität und Zusammensetzung der Atmosphäre entstehen so die typischen Schleier, Bögen und Vorhänge, die scheinbar lautlos über den Himmel tanzen.
Besonders faszinierend ist dabei, dass kein Polarlicht dem anderen gleicht. Mal erscheinen sie als feine, zarte Linien, mal als kraftvolle Lichtfontänen, die den gesamten Himmel ausfüllen. Dieses ständige Spiel aus Bewegung, Farbe und Licht macht die Aurora Borealis zu einem Erlebnis, das selbst erfahrene Reisende immer wieder in Staunen versetzt.
Wo und wann kann man Polarlichter normalerweise beobachten?
Für die meisten Deutschen bleiben Polarlichter ein seltener Traum. Am zuverlässigsten zu beobachten sind sie in den Polarregionen, weit weg von Straßenlaternen und Stadtlichtern. Besonders beliebt ist Nordnorwegen, das als eines der besten Reiseziele für Nordlicht-Fans gilt. Jedes Jahr reisen tausende Menschen im Winter in diese Region, um das faszinierende Naturschauspiel zu erleben.
Vor allem die wunderschönen Lofoten haben sich zu einem echten Sehnsuchtsort für Polarlicht-Begeisterte entwickelt. Zwischen schroffen Bergen, tiefblauen Fjorden und kleinen Fischerdörfern bieten sie eine einzigartige Kulisse für die tanzenden Lichter am Himmel. In den langen Winternächten, fernab von Großstadttrubel, stehen die Chancen hier besonders gut, die Aurora Borealis in ihrer ganzen Pracht zu sehen.
Auch in Island, Schweden, Kanada oder Alaska lassen sich Polarlichter regelmäßig beobachten. In Deutschland hingegen braucht es außergewöhnliche geomagnetische Ereignisse, wie den Sonnensturm am Montag, damit die Aurora sichtbar wird. Wer dann nach Norden blickt, kann mit etwas Glück ein Stück Arktis direkt über sich erleben.

Den Zauber festhalten: Polarlichter richtig fotografieren
Wer einmal Polarlichter gesehen hat, möchte diesen magischen Moment am liebsten für immer bewahren. Mit ein paar einfachen Tipps gelingt das auch ohne Profi-Ausrüstung. Am wichtigsten ist ein stabiles Stativ, denn Polarlichter werden meist mit langen Belichtungszeiten aufgenommen. Schon kleinste Bewegungen können das Bild verwackeln.
Eine Kamera mit manuellen Einstellungen ist ideal. Empfohlen wird eine offene Blende (zum Beispiel f/2.8 oder kleiner), eine hohe ISO-Zahl zwischen 800 und 3200 sowie eine Belichtungszeit von etwa 5 bis 15 Sekunden – je nach Helligkeit der Lichter. Auch moderne Smartphones mit Nachtmodus können inzwischen beeindruckende Ergebnisse liefern.
Wichtig ist außerdem der richtige Standort: Je dunkler die Umgebung, desto besser. Fernab von Straßenlaternen und Stadtlichtern kommen die Farben besonders intensiv zur Geltung. Wer zusätzlich Landschaftselemente wie Bäume, Berge oder Seen ins Bild einbezieht, verleiht seinen Aufnahmen Tiefe und Atmosphäre.
Geduld gehört ebenfalls dazu. Polarlichter verändern ständig ihre Form und Intensität. Wer ruhig bleibt, experimentiert und mehrere Aufnahmen macht, wird am Ende mit einzigartigen Bildern belohnt – Erinnerungen an einen Moment, der so flüchtig ist wie schön.
